
Stromverbrauch für Geräte ohne Sensor am Beispiel Philips Hue mit Powercalc im Energy Dashboard
Stromverbrauch pro Raum: Philips Hue mit Powercalc im Energy Dashboard gruppieren
Ich wollte, dass jede Philips-Hue-Lampe im Haus im Home-Assistant-Energy-Dashboard auftaucht - aber gruppiert nach Raum, nicht als 32 einzelne Einträge, die die Übersicht sprengen. Der Weg dahin: Powercalc installieren, die fehlenden Sensoren ergänzen, alles pro Raum gruppieren und ins Dashboard einhängen.
Was ist Powercalc - und wofür will ich es?
Powercalc ist eine Custom-Integration für Home Assistant, die den Stromverbrauch von Geräten schätzt, die selbst keinen Verbrauch melden - klassischerweise Lampen, aber auch Lüfter, Media-Player und andere “dumme” Verbraucher. Statt eines Smart-Plugs an jeder einzelnen Lampe erzeugt Powercalc virtuelle Power- und Energy-Sensoren, die auf Basis von Modellen berechnet werden.
Für Lichter passiert das je nach Berechnungsstrategie unterschiedlich:
- Profile aus der Bibliothek (LUT): Powercalc bringt eine eingebaute Bibliothek mit über 190 Geräteprofilen mit, basierend auf echten Messungen. Für Hue-Lampen heißt das: Helligkeit, Farbton/Sättigung und Farbtemperatur fließen automatisch in die Verbrauchsschätzung ein - ganz ohne eigene Konfiguration, sobald Hersteller/Modell erkannt wird.
- Fixed Power: Ein fester Watt-Wert für Geräte, bei denen sich der Verbrauch kaum ändert oder für die es kein Bibliotheksprofil gibt.
- Linear-Modell: Der Verbrauch wird linear zwischen einem Minimal- und Maximalwert skaliert, z. B. abhängig von der Helligkeit.
- Templates: Eigene Formeln/Templates für Fälle, die sich mit den Standardstrategien nicht abbilden lassen.
Dazu kommen Gruppensensoren, mit denen sich mehrere Geräte, ein ganzer Raum oder das komplette Haus zu einem Gesamtwert zusammenfassen lassen - genau das Werkzeug, das ich für die raumweise Gruppierung brauche. Powercalc legt außerdem automatisch passende Energy-Sensoren an (kein Verbrauch ohne Energie-Integration über Zeit), die sich direkt im Energy Dashboard verwenden lassen.
Mein Anwendungsfall: 32 Hue-Lampen, 6 Räume, ein Energy Dashboard, das nicht in 32 Einzelbalken ertrinken soll.
Installation über HACS
Powercalc ist Teil des Standard-HACS-Repositories, muss also nicht über eine eigene Custom-Repository-URL hinzugefügt werden:
- HACS öffnen → Explore & Download Repositories
- Nach Powercalc suchen und herunterladen
- Home Assistant neu starten
- Unter Einstellungen → Geräte & Dienste → Integration hinzufügen nach Powercalc suchen und die Global Configuration durch den Setup-Assistenten laufen lassen
Powercalc unterstützt sowohl Konfiguration über die GUI als auch über YAML - für die Raumgruppen und die vielen Einzel-Entities in diesem Setup war YAML der praktikablere Weg.

Bestandsaufnahme
Vor dem eigentlichen Config-Schreiben stand eine Inventur. Die Abfrage der Device-Registry für die Hue-Integration ergab:
- 32 physische Hue-Lampen über 6 Räume verteilt (Küche, Wohnzimmer, Schlafzimmer, Makerspace, Balkon, Garten)
- Nur 9-11 davon hatten schon einen Powercalc-Sensor - automatisch angelegt durch die Autodiscovery anhand der Profil-Bibliothek
- Hue legt zusätzlich virtuelle „Room“/„Zone“-Licht-Entities an (z. B.
light.wohnzimmer,light.kuche), die den Zustand des ganzen Raums spiegeln - die mussten explizit ausgeschlossen werden, sonst zählt man den Verbrauch doppelt - Eine Lampe (eine Hue-Econic-Außenwandleuchte) wäre auf den ersten Blick fast durchgerutscht, weil ihr Zone-Alias fast identisch benannt war

Fehlende Sensoren ergänzen
Für die ~22 Lampen ohne Sensor reichte es, sie unter Powercalcs sensors:-Liste zu deklarieren - nur die entity_id, Powercalc zieht sich das Power-Profil selbst anhand von Hersteller/Modell (die Profil-Strategie aus der Bibliothek greift automatisch):
powercalc:
sensors:
- entity_id: light.kuche_haupt_1
- entity_id: light.kuche_haupt_2
# ...
Fünf Lampen hatten gar kein Profil in der Bibliothek (2× Hue-Bloom-Nachttischlampen, eine dimmbare innr-Birne, eine LEDVANCE-Wegeleuchte und die Hue-Econic-Wandlampe). Für die kam die Fixed-Power-Strategie zum Einsatz, mit einem geschätzten Wert anhand der Datenblätter:
- entity_id: light.nachtisch_links
fixed:
power: 5
Raumgruppen erstellen
Das Energy Dashboard von Home Assistant hat unter „Einzelne Geräte“ nur eine flache Liste - Entities lassen sich dort nicht unter einem Raum verschachteln. Die Lösung: pro Raum ein Powercalc-Gruppensensor, der den Verbrauch aller Mitglieder zu einem <raum>_lights_power / _energy-Paar aufsummiert, mit korrekter device_class/state_class, damit das Dashboard daraus überhaupt Statistiken bilden kann.
- create_group: "Küche Lights"
entities:
- entity_id: light.kuche_haupt_1
- entity_id: light.kuche_haupt_2
# ...
Das Ganze für alle 6 Räume wiederholt, ergibt sechs Gruppensensoren - jeweils mit eigenem Power- und Energy-Sensor.
Stolperstein-Kasten: Der Weg dahin war nicht ganz geradlinig. Erster Versuch mit einer type: group-Syntax aus einer paraphrasierten Doku-Zusammenfassung - existiert im echten Powercalc-Schema gar nicht. Der Fehler dazu war unsichtbar, weil das Logging auf default: critical stand und die Integration einfach nur „Not loaded“ zeigte, ganz ohne Erklärung. Nach kurzer Recherche im Powercalc-Quellcode (sensor_config.py) die richtige Syntax gefunden. Danach ein zweites Problem: Räume, die alte Autodiscovery-Sensoren mit neu deklarierten mischten, warfen „already configured“-Fehler - Ursache war eine Dedup-Logik, die nicht zuverlässig griff und bei jedem Neustart still einen zweiten, anders benannten Duplikat-Sensor für dieselbe Lampe erzeugte.
Die Lehre daraus: Wenn eine Custom-Integration in Home Assistant kommentarlos nicht lädt, zuerst das Logger-Level prüfen, bevor man von einem kaputten Setup ausgeht - default: critical kann genau die Voluptuous-Schema-Fehlermeldung verschlucken, die alles erklärt hätte.
Bereinigung
Statt gegen das Dedup-Timing weiterzukämpfen, war die sauberere Lösung, die jetzt redundanten alten Autodiscovery-Sensor-Einträge für die 11 bereits abgedeckten Lampen zu entfernen (nachdem geprüft war, dass keine ihrer Entity-IDs in Dashboards oder Automationen referenziert wurde). Zehn von elf ließen sich problemlos löschen, der letzte blockierte nach zu vielen aufeinanderfolgenden Löschungen kurzzeitig - auf dem nächsten Neustart tauchte aber kein Konflikt mehr auf, die Schlafzimmer-Gruppe nutzt korrekt den bestehenden Sensor.
Ins Energy Dashboard einfügen
Powercalc legt für jeden Gruppensensor automatisch einen passenden Energy-Sensor an - die eigentliche Grundlage für das Dashboard. Der letzte Schritt:
- Einstellungen → Dashboards → Energie
- Unter „Stromverbrauch - Einzelne Geräte hinzufügen“ auf Gerät hinzufügen klicken
- Für jeden Raum den passenden
<raum>_lights_energy-Sensor auswählen
Neue Energy-Sensoren können bis zu einer Stunde brauchen, bis sie im Dashboard mit Daten erscheinen - das ist normal und kein Fehler.

Ergebnis
Sechs neue Einträge unter „Einstellungen → Dashboards → Energie → Einzelne Geräte“ - ein Balken pro Raum, sauber gruppiert:
| Raum | Getrackte Lampen |
|---|---|
| Küche | 7 |
| Wohnzimmer | 11 |
| Schlafzimmer | 6 |
| Makerspace | 5 |
| Balkon | 2 |
| Garten | 2 |
Fazit
Powercalc macht aus 32 Lampen, die sonst nie einen Stromzähler sehen würden, sechs saubere Raum-Balken im Energy Dashboard - ganz ohne zusätzliche Hardware. Die eigentliche Konfiguration (Sensoren deklarieren, Gruppen bauen, ins Dashboard einhängen) ist unkompliziert. Die einzige echte Hürde war ein zu striktes Logging-Level, das den entscheidenden Fehler verschluckt hat - ein guter Reminder, bei stillen Ladefehlern zuerst dort nachzuschauen.